Grünes Siliziumkarbid F320 für Bremsbelagreibmaterial

1. Was ist grünes Siliciumcarbid F320?

  • Grünes Siliciumcarbid (SiC): Ein synthetisches Mineral, das für seine außergewöhnliche  Härte (9,5 auf der Mohs-Skala, vergleichbar mit Diamant) und seine scharfen, spröden Kristalle bekannt ist. Es besitzt eine hohe Wärmeleitfähigkeit und ist reiner als schwarzes Siliciumcarbid.
  • F320: Dies ist die  Korngröße gemäß FEPA-Standard. F320 entspricht einem durchschnittlichen Partikeldurchmesser von ca.  28,5 Mikrometern (0,0285 mm). Es handelt sich um eine  feine Körnung , vergleichbar mit sehr feinem Schleifpapier.
Kurz gesagt, es handelt sich um ein  extrem hartes, feines und scharfes Schleifpulver.

2. Rolle und Vorteile von Bremsbelägen

Bei Zugabe zur Reibmaterialmischung wirkt Green SiC F320 als  Reibungsmodifikator / Schleifmittel.
  • Erhöht den Reibungskoeffizienten: Seine Hauptaufgabe besteht darin, sich in die Oberfläche der Bremsscheibe einzugraben. Durch mikroskopische Schneid- und Pflugbewegungen erzeugt es eine starke, sofortige Reibung und sorgt so für eine hervorragende Bremskraft, insbesondere bei niedrigen Temperaturen.
  • Verbessert die Verschleißfestigkeit der Bremsbeläge: Die harten Partikel wirken wie ein Verstärkungsskelett im Inneren des Bremsbelags, erhöhen dessen mechanische Festigkeit und verringern dessen Verschleißrate, wodurch die Lebensdauer des Bremsbelags potenziell verlängert wird.
  • Reinigt die Disc-Oberfläche: Es hilft, Rost, Oxidschichten und alte Transferfilme von der Disc zu entfernen und so einen gleichmäßigen Metall-Pad-Kontakt für eine stabile Leistung zu gewährleisten.
  • Verbessert die Wärmeleitfähigkeit: Die gute Wärmeableitung trägt dazu bei, Wärme von der Reibungsfläche abzuleiten und somit das Wärmemanagement geringfügig zu unterstützen.

3. Anwendung in Bremsbelagmischungen

Grünes SiC F320 wird niemals allein verwendet. Es ist ein  funktioneller Zusatzstoff in einer komplexen Verbundmischung, die Folgendes enthält:
  • Bindemittel: (z. B. Phenolharz), um alles zusammenzuhalten.
  • Fasern: (z. B. Stahl, Aramid, Glas) zur Erhöhung der strukturellen Festigkeit.
  • Schmierstoffe/Festschmierstoffe: (z. B. Graphit, Sb₂S₃) zur Stabilisierung der Reibung und zur Geräuschreduzierung.
  • Füllstoffe: (z. B. Bariumsulfat) zur Kosten- und Dichtekontrolle.
Die Kunst der Schmierstoffformulierung besteht darin, die abrasive Wirkung von SiC mit den Schmierstoffen auszubalancieren. Graphit beispielsweise bildet einen glatten Film, der der Schneidwirkung von SiC entgegenwirkt und so den Scheibenverschleiß und die Geräuschentwicklung reduziert. Der  typische SiC-Anteil ist gering und liegt je nach gewünschten Leistungseigenschaften oft zwischen 1 und 5 Gewichtsprozent.

4. Typische Anwendungsfälle

  • Hochleistungs- und Rennbremsbeläge: Wo maximale Reibung und Fadingresistenz entscheidend sind und ein beschleunigter Scheibenverschleiß ein akzeptabler Kompromiss ist.
  • Bestimmte „Keramik“-Formulierungen: Es kann in kleinen Mengen verwendet werden, um den Reibungskoeffizienten feinabzustimmen und die Konsistenz zu verbessern.
  • Es wird im Allgemeinen NICHT in Standard-, metallarmen oder NAO-Bremsbelägen (nicht asbesthaltig organisch) verwendet, die für den alltäglichen Autofahrer gedacht sind, der einen leisen Betrieb und eine lange Lebensdauer der Bremsscheiben wünscht.
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